Rezension: Wenn gestern unser morgen wäre / Kristina Moninger

Reaktionen:  
Rezension:
WENN GESTERN UNSER MORGEN WÄRE
MONINGER, Kristina


(Quelle)


Buchzusammenfassung

Sara trifft innerhalb weniger Tage folgenschwere Entscheidungen. Doch sie erhält die Chance, das Geschehene neu zu erleben und zu beeinflussen. Gleichzeitig ist es eine Reise nach sich selbst, eine Reise, um sich zu finden und zu akzeptieren. Wird es ihr vergönnt sein, glücklich zu werden?



Der Buchumschlag

Das Motiv mit den Schmetterlingen und dem Glasbehälter kommt in dem Roman vor. Obwohl der Buchumschlag etwas von Kitsch hat, finde ich ihn dennoch sehr schön und vor allem auffällig.


Der Schreibstil

Kurz fand ich anfangs, dass der Schreibstil ein wenig gestelzt war, doch das verliert sich rasch. Man taucht flott in die Geschichte ein, vor allem durch den Witz, der dem Schreibstil anheim ist. 
Kritisch müssen jedoch die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler betrachtet werden, denn diese gab es oft. (Zu oft für einen Roman, der durch ein Lektorat überarbeitet wurde.)


Der Inhalt

 Ein großer Teil dreht sich um die Tage, in denen Sara die falschen, beziehungsweise folgenschweren Entscheidungen trifft. So hat man einen Einblick, inwiefern dies ihr Leben und das der anderen beeinflusst. Das ist interessant, aber stellenweise auch negativ, denn man hat das Gefühl darin steckenzubleiben.
Manche Stellen ziehen sich in die Länge, weil man wissen möchte, wie es weitergeht und die Geschichte nicht vorankommt.  Dies liegt vor allem an Saras Denken, das sich im Kreis dreht. Sie liefert sich viele Lösungen und vollführt die gleichen Gedankengänge immer und immer wieder, aber beachtet die Antworten nicht, die sie sich selbst gibt.
Mir ist klar, dass dies ein Prozess ist, um über sich hinauszuwachsen, um sich zu ändern, doch die vielen Gedanken sind stellenweise deplatziert gemessen an dem, was sie tut und worüber sie (fast) überhaupt keinen Gedanken verschwendet.

Andererseits gibt es auch viele Momente, in denen es sehr schwierig ist, das Buch zur Seite zu legen. Obwohl manche Dinge von vorneherein klar sind, gibt es auch wieder Dinge, bei denen man überhaupt nicht sicher ist, wie diese enden. Dadurch klebt man am Buch fest.

Der Roman verfolgte einen genre-typischen roten Faden, den es nicht gebraucht hätte. Vieles wird dadurch vorhersehbar und auch ein wenig langweilig oder wirkt einfach überholt und oberflächlich, obwohl es die Gedanken, die den Roman begleiten nicht sind. 

Das Ende gestaltet sich wie aus einer amerikanischen Romantikkomödie, was schade ist, denn es mildert den Charme des Buches.

Ein Punkt, den ich unbedingt ansprechen möchte, betrifft das Thema "alte Menschen". Diese kommen in diesem Buch sehr schlecht weg. Allgemein sind ältere Menschen schlecht gesehen. Sie sind die Menschen, die am meisten diskriminiert werden. Sogar vor Rassismus und Sexismus. Um ein Beispiel zu geben: Im Roman wird mehrmals angedeutet, dass ältere Menschen sich nicht um sich selbst kümmern können, dass es in ihren Häusern unangenehm riecht und dass sie anscheinend generell so schlecht hören würden. Fakt ist, nur 3,6% der Älteren können nicht mehr unabhängig leben und nur 33% der älteren Menschen haben auditive Schwierigkeiten. Es wird auch angedeutet, dass ältere Menschen "nichts haben" und "unglücklich seien". Fakt ist: Jüngere Menschen sind oftmals unglücklicher als ältere Menschen. Und ein weiteres Beispiel: An Alzheimer Erkrankte werden im Roman als Kinder beschrieben, die alles vergessen. Fakt ist wieder mal, dass die meisten Personen mit Alzheimer sterben, bevor sie ein sehr weit fortgeschrittenes Stadium der Krankheit erreichen. Und gleichzeitig wird bei vielen Leuten erst nach dem Tod festgestellt, dass sie Alzheimer hatten.
Es sind Zahlen und Fakten, die ich nicht erfunden habe, sondern aus meinem Psychologiestudium herausleite.
Eine Geschichte zu lesen, die so tatkräftig (aber unbewusst) die Diskriminierung der älteren Menschen unterstützt, macht mich wütend und traurig und verschlimmert den Eindruck von der stereotypischen Art des Buches, den ich bereits vorher hatte. Schade ist dies vor allem, weil die Autorin ihre Hauptperson eine Entwicklung durchmachen lässt, um das eingestampfte Bild von sich zu ändern, aber gleichzeitig alles andere gesellschaftstypisch daherkommt.

 Die Charaktere

Um es vorweg zu sagen: Mit Sara kam ich manchmal klar, manchmal nicht. Sie macht etwas Unmoralisches, ohne darüber nachzudenken, was es für ihren Partner bedeutet. Sie stellt ihr ganzes Wesen und die Leute um sich herum infrage, aber das, was sie macht und anderen antut, darüber denkt sie nicht nach. Sie verspürt keine Reue und quält sich selbst. Stellenweise fand ich sie sehr egoistisch und ihr Handeln (wie zum Beispiel ihre Unhöflichkeit) konnte mir manchmal nur mein Unverständnis hervorlocken. Sara kann aber auch witzig sein.

Matt ist dagegen genau so wenig unschuldig wie Sara. Er sieht nur das, worauf er gerade Bock hat und macht sein Ding. Außer dass er unkonventionell erscheint, ist nichts an ihm bemerkenswert. Und seine unkonventionelle Art scheint auch eine Begleiterscheinung zu sein, denn es ist klar, dass eine konventionelle Person Sara nicht aus ihrem Schneckenhäuschen hervorgelockt hätte.

 Oliver ist ebenso kein umhauender Charakter. Er ist einfach der typische Mann, der von der Frau des Liebesromans verlassen wird, weil er nicht taugt, um sie zufriedenzustellen. 

In Saras Familie gibt es Personen, die einem sympathisch sind oder auch nicht. 
Eine besonders ausgeprägte Charakterdarstellung gibt es nicht, was einerseits schade ist, andererseits dem Roman zusätzliche Seiten beschert hätte.

Fazit

Auf manche Gedankengänge hätte verzichtet werden können, um diese Seiten für die Entwicklung der Charaktere zu nutzen. Manches hätte kürzer geschrieben werden können. Insgesamt kann der Roman durch seinen Witz, die Spannung auf das Ende und die Reflexionen punkten. Doch es bleibt eine Geschichte für Zwischendurch und für Leute, die sich an stereotypische Herangehensweisen nicht den Kopf stoßen.

3/5 
(nach Verstand vergebene Punktzahl)

Danke für das Rezensionsexemplar!

Titel: Wenn gestern unser morgen wäre
Autor(in): Kristina Moninger
Verlag: FeuerWerke Verlag                                 Preis: circa 12Euro

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Ich würde mich über Kommentare jeglicher Art freuen! Denn sind es doch die Kommentare, die den Blog beleben...