Erzählung: 'Und die Zeit meinte, nein, es solle nicht sein'

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Und die Zeit meinte, nein, es solle nicht sein
In den weiten Landen, in diesem Grün blühte eine Pflanze, wuchs heran, sehnsüchtig der Sonne entgegen. Sie lachte und sprach. Jedermann fand sie schön, und sie, diese Glückliche, empfand alles als Herrlichkeit, verfiel dem Guten, dem Hübschen. Da war sie groß in ihrer Vollkommenheit, in ihrer Pracht. Doch zum Trotz allen Gefallens war da auch ein Gedanke, eine Wehmut. Ganz vorsichtig schlich sie sich heran, schlich ins Herz und warf Schatten, die es, das Herz, das einsame, verdunkelten. Die Musik aber, ja, sie scheuchte all Dunkelheit elegant fort. Dann bewegte die Junge sich, bewegte sich zum Klang, zu den Gefühlen und empfand Glück. Und endete das Lied, so kam auch wieder jenes Leid.
Eines Abends, sie tanzte und tanzte, sprach zu den Flammen des Lagerfeuers, hörte auf die Melodien der Spieler. Sie war voller Fröhlichkeit, hatte diese Melancholie von ihr gelassen, hatte sich in eine Ecke geflüchtet und wartete auf das Ende des Stücks, wartete darauf, die Junge zu entführen, in eine dunkle Höhle, wo sie verfallen würde. Doch, nein, die Junge sprach mit der Musik, sprach zu den Flammen und empfand Glücksseligkeit.
Da legte jemand die Hände um ihre Taille, drehte sie herum, fasste ihr Kinn und frug sie leise, na, Hübsche, die zu den Flammen spricht, tanzt Ihr mit mir? Und sie nickte ergeben, hatte sie doch sein Gesicht gesehen. Er drehte sich mit ihr, wippte, wirbelte sie umher. Dann endete das Lied, und der Kummer überfiel sie nicht, hatte sich verzogen, denn wer kann schon gegen dies aufbegehren, wem kann schon der Sieg angesichts dieser Stärke, dieser Überlegenskraft gewiss sein? Und die Glückliche rief zu den Flammen, rief zu dem Mann: Herr, wart Ihr es, der das Dunkel besiegte, aber, Herr, woher kommt Ihr? Und so plötzlich.
Was hat sie denn, die Hübsche, was für einen Schmerz trägt sie in sich, welche Qualen?
Und sie antwortete leise, hauchend: Es ist, als habe man geliebt, und die Zeit war es, die meinte, nein, es solle nicht sein. Doch habe ich nie geliebt. Und dies ist schlimmer.
Nicht verzagen, sprach der junge Herr, hob das Kinn, berührte die Nase, nicht verzagen, denn, oh weh, weiß sie, die Schöne vor mir, nicht, dass sie vielleicht lieben wird?
Aber, Herr, schüttelte die Glückliche den Kopf, Herr.
Und sagte er, laut, ich aber, Herrliche, ich liebe, habe mich verliebt, gerade, jetzt, und hier sage ich: Ich liebe.
Da lachte sie, besah ihn und lachte. Sie nahm seine Hand, trug sie zu ihrem Gesicht und meinte, ja, lieben tut er und lieben tue ich. So ist es, so will es die Zeit. Es war, als habe man geliebt, und die Zeit war es, die meinte, nein, es solle nicht sein. Doch habe ich nie geliebt und liebe jetzt, und es wird immer sein, sagt die Zeit.

Hierbei habe ich diese Lieder (Celtic music - Breath of the forest, Celtic music - Dragonland) gehört.

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